Zwei bis drei Jahre nach der Ausbildung kommt die Frage von selbst. Man beherrscht den eigenen Bestand, das Gehalt hat sich einmal bewegt und dann nicht mehr, und der nächste Schritt hängt sichtbar an einem Papier, das man nicht hat.
In der Immobilienwirtschaft ist dieses Papier fast immer ein Fortbildungsabschluss der Industrie- und Handelskammer. Anders als in vielen Branchen ist das kein Zierrat: Die Abschlüsse sind nach dem Berufsbildungsgesetz geregelt, bundesweit einheitlich geprüft und in den Stellenanzeigen dieses Bestands ausdrücklich benannt.
Der Immobilienfachwirt
Der Standardweg. Geprüfter Immobilienfachwirt beziehungsweise Geprüfte Immobilienfachwirtin, Fortbildungsstufe der Bachelor-Ebene im Deutschen Qualifikationsrahmen.
Zulassung: Immobilienkaufmann plus in der Regel ein Jahr Berufspraxis; alternativ ein anderer kaufmännischer Abschluss mit längerer einschlägiger Praxis oder mehrere Jahre einschlägige Berufspraxis ohne Abschluss. Die genauen Wege stehen in der Fortbildungsverordnung, und die zuständige IHK prüft den Einzelfall – fragen Sie dort nach, bevor Sie einen Kurs buchen.
Inhalt: Unternehmenssteuerung, Immobilienbewirtschaftung, Bauprojektmanagement, Marktorientierung und Vertrieb, Personal und Führung.
Dauer: berufsbegleitend zwischen anderthalb und zweieinhalb Jahren, je nach Anbieter und Unterrichtsform.
Was er bringt: Er ist die Eintrittskarte in die Teamleitung – Leitung einer Verwaltungseinheit, eines Vermietungsteams, eines Objektbestands mit Personalverantwortung. Und er stellt, wie die Ausbildung selbst, der Prüfung zum zertifizierten Verwalter gleich, siehe Zertifizierter Verwalter.
Der Fachwirt für Facility Management
Wenn der Weg nicht in die kaufmännische Verwaltung, sondern in die Objekt- und Gebäudebewirtschaftung führt, ist der Immobilienfachwirt der falsche Abschluss. Der passende heißt Geprüfter Fachwirt für Facility Management – ebenfalls IHK, ebenfalls Fortbildungsstufe, aber mit technischem Schwerpunkt: Betreiberverantwortung, Instandhaltungsstrategien, Ausschreibung und Vergabe von Dienstleistungen, Energie- und Flächenmanagement.
Das ist der Abschluss, den die großen Dienstleister dieses Bestands sehen wollen, wenn aus einem Haustechniker oder Objektbetreuer eine Objektleitung werden soll. Welche Stationen dazwischenliegen, steht in Vom Objektbetreuer zur Objektleitung; die technischen Nachweise, die parallel verlangt werden, in Bewerben im Facility Management.
Der Geprüfte Immobilienbetriebswirt
Die Stufe darüber, teils IHK-geprüft, teils als Lehrgang privater Akademien mit eigenem Zertifikat. Achten Sie auf diesen Unterschied: Ein „Immobilienökonom (Akademie X)" ist kein öffentlich-rechtlicher Abschluss, was ihn nicht wertlos macht – einige dieser Zertifikate haben in der Branche erhebliches Gewicht –, aber er ist nicht dasselbe wie ein geregelter Fortbildungsabschluss, und bei der Zulassung zum nächsten Schritt wird das gelegentlich relevant.
Diese Stufe lohnt in der Regel erst, wenn Führungsverantwortung bereits besteht oder konkret in Aussicht steht.
Sachverständiger für Immobilienbewertung
Der schmalste und der spezialisierteste Weg. Der Markt für Bewertung ist in diesem Bestand klein – es sind wenige Anzeigen –, aber es sind gut bezahlte, und sie verlangen einen Nachweis.
Der Titel „Sachverständiger" ist nicht geschützt. Was zählt, ist entweder die öffentliche Bestellung und Vereidigung durch eine IHK oder eine Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024 durch eine akkreditierte Stelle, üblicherweise für Markt- und Beleihungswerte. Beides verlangt einschlägige Berufserfahrung, Gutachtenpraxis und eine anspruchsvolle Prüfung. Wer das anstrebt, sollte früh anfangen, Gutachten unter Anleitung zu schreiben – ohne Gutachtenpraxis führt kein Lehrgang zum Ziel.
Die ungeliebte Pflicht: 20 Stunden in drei Jahren
Ein Punkt, den viele erst erfahren, wenn sie ihn schon verletzt haben: Wer als Makler oder als Wohnimmobilienverwalter nach § 34c der Gewerbeordnung tätig ist, unterliegt einer Weiterbildungspflicht von 20 Stunden innerhalb von drei Jahren. Sie trifft die Gewerbetreibenden und die unmittelbar bei der erlaubnispflichtigen Tätigkeit mitwirkenden Beschäftigten; die Einzelheiten regelt die Makler- und Bauträgerverordnung.
Das ist keine Fortbildung im Sinne dieses Artikels, sondern eine Erfüllungspflicht mit Nachweis. Aber sie lässt sich mit einer echten Qualifizierung verbinden, statt sie in Webinaren abzusitzen. Fragen Sie den Arbeitgeber, ob er sie trägt und ob er anrechenbare Inhalte anbietet.
Was es kostet und wer zahlt
Ein Fachwirt-Lehrgang liegt bei privaten Anbietern im mittleren vierstelligen Bereich, bei IHK-Bildungszentren häufig darunter; dazu kommen Prüfungsgebühren.
Drei Finanzierungswege, und man kann sie kombinieren:
Aufstiegs-BAföG. Die Förderung nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz ist für geregelte Fortbildungsabschlüsse – Fachwirt, Betriebswirt – der wichtigste Hebel: Zuschuss zu Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, dazu ein Darlehen, das bei bestandener Prüfung teilweise erlassen wird. Die Sätze ändern sich; fragen Sie beim zuständigen Amt nach dem aktuellen Stand, nicht im Forum.
Der Arbeitgeber. Üblich, und üblicherweise mit Bindungsklausel. Dieselbe Rechtsprechung wie beim dualen Studium gilt hier: Die Bindungsdauer muss zur Lehrgangsdauer passen und die Rückzahlung muss monatlich abschmelzen. Lassen Sie sich die Klausel zeigen, bevor Sie zusagen – und lesen Sie sie neben den Passus in Kündigungsfristen.
Selbst. Lehrgangskosten sind als Werbungskosten abziehbar, wenn die Fortbildung mit dem ausgeübten Beruf zusammenhängt. Das ist hier der Regelfall.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat
- Zwei Jahre im Bestand arbeiten, bis ein eigener Objektbestand routiniert läuft. Vorher fehlt der Erfahrungsanker, an dem die Lehrgangsinhalte hängen bleiben.
- Entscheiden, ob der Weg kaufmännisch oder technisch verläuft. Diese Entscheidung ist schwerer rückgängig zu machen als die Wahl des Anbieters.
- Den passenden Fachwirt machen und ihn vom Arbeitgeber zahlen lassen.
- Erst danach über Betriebswirt, Studium oder Spezialisierung nachdenken.
Was sich dabei am Gehalt bewegt und was nicht, steht in Was Immobilienkaufleute verdienen – und wie man den Fortbildungsabschluss im Gespräch tatsächlich in Geld verwandelt, in Gehalt verhandeln. Wer die Branche überhaupt erst betritt, findet die Wege in Quereinstieg in die Immobilienwirtschaft.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, gegliedert nach der Aufgabe am Objekt und mit Angaben zu Arbeitszeit und Anstellungsart an jeder einzelnen.