Zum Inhalt springen
Ausbildung

Duales Studium Immobilienwirtschaft: was im Vertrag steht

Auf jeden klassischen Ausbildungsplatz kommen in diesem Bestand mehrere duale Studiengänge. Die Modelle unterscheiden sich stärker, als die Anzeigen erkennen lassen – vor allem darin, wer die Studiengebühren trägt und was am Ende in der Hand ist.

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Wer in diesem Portal nach einem Einstieg sucht, bekommt zuerst duale Studiengänge zu sehen. Das liegt nicht an der Sortierung, sondern am Angebot: Der Bestand an Einstiegsanzeigen besteht zum weit überwiegenden Teil aus dualen Bachelorstudiengängen – Immobilienwirtschaft, Immobilienmanagement, BWL mit immobilienwirtschaftlichem Schwerpunkt, dazu Wirtschaftsingenieurwesen mit Facility Management.

Ein großer Teil dieser Anzeigen stammt nicht von den Unternehmen, in denen später gearbeitet wird, sondern von Hochschulen, die einen Studienplatz bewerben und einen Praxispartner dazu suchen oder bereits benannt haben. Das ist zulässig und weit verbreitet, aber es verändert, was man da eigentlich liest: Die Anzeige verkauft einen Studiengang, nicht eine Stelle.

Deshalb lohnt es, drei Dinge zu trennen: das Studium, den Praxisvertrag und die Gebühren.

Die drei Modelle

Ausbildungsintegriert. Sie machen parallel eine anerkannte Berufsausbildung – in der Regel Immobilienkaufmann – und einen Bachelor. Am Ende halten Sie zwei Abschlüsse in der Hand, der eine davon ein IHK-Abschluss mit bundesweit geregeltem Inhalt. Das ist der aufwendigste Weg und der mit dem stabilsten Ergebnis.

Praxisintegriert. Kein Ausbildungsvertrag, sondern ein Praktikanten-, Volontariats- oder Arbeitsvertrag beim Praxispartner, dazu das Studium. Am Ende steht der Bachelor, sonst nichts. Das ist das mit Abstand häufigste Modell in diesem Bestand.

Berufsbegleitend. Sie arbeiten regulär und studieren daneben, meist abends und am Wochenende. Kein Einstiegsmodell, sondern eine Weiterbildungsform – dazu steht mehr in Weiterbildung für Immobilienkaufleute.

Die Unterscheidung ist keine Formalie. Endet die Zusammenarbeit mit dem Praxispartner im zweiten Jahr – weil das Haus umstrukturiert, weil es nicht passt –, steht im ausbildungsintegrierten Modell ein Ausbildungsvertrag im Raum, für den es Kammerzuständigkeit, Schlichtung und einen Anspruch auf Fortsetzung der Ausbildung gibt. Im praxisintegrierten Modell steht ein gekündigter Arbeitsvertrag im Raum und ein Studienplatz, den Sie ohne Partner weiterfinanzieren müssen.

Wer die Gebühren zahlt

Die zentrale Frage, und sie steht selten in der Anzeige.

An staatlichen Hochschulen und den Dualen Hochschulen der Länder fallen keine oder geringe Gebühren an. An privaten Hochschulen liegen sie im vierstelligen Bereich pro Semester. Üblich sind vier Konstruktionen:

  • Der Praxispartner zahlt die Gebühren vollständig und zusätzlich eine monatliche Vergütung.
  • Der Praxispartner zahlt die Gebühren, die Vergütung ist entsprechend niedriger oder entfällt.
  • Sie zahlen die Gebühren selbst und erhalten eine Vergütung.
  • Sie zahlen alles selbst; der Praxispartner stellt nur den Praxisplatz.

Nur bei der ersten Variante ist das duale Studium finanziell besser als eine Ausbildung. Rechnen Sie es aus, bevor Sie unterschreiben: Gebühren mal Semesterzahl gegen Vergütung mal Monate, und daneben die Ausbildungsvergütung im Tarif der Wohnungswirtschaft.

Die Rückzahlungsklausel

Wenn der Praxispartner die Gebühren trägt, steht fast immer eine Bindungsklausel im Vertrag: Wer innerhalb einer bestimmten Frist nach dem Abschluss kündigt, zahlt anteilig zurück.

Solche Klauseln sind nicht grundsätzlich unwirksam, aber sie sind es häufig – die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zu Rückzahlungsklauseln bei Fortbildungskosten verlangt eine Bindungsdauer, die zur Dauer und zum Wert der Ausbildung im Verhältnis steht, und eine Staffelung, die mit jedem Monat abschmilzt. Pauschale Klauseln, die bei einer Eigenkündigung aus jedem Grund den vollen Betrag fordern, halten regelmäßig nicht.

Lesen Sie die Klausel vor der Unterschrift und fragen Sie nach, was bei einer Kündigung durch den Betrieb gilt. Wenn die Antwort lautet, das sei noch nie vorgekommen, lassen Sie es sich trotzdem hineinschreiben.

Was der Praxispartner wert ist

Bei den Anzeigen, die von Hochschulen stammen, steht der Praxispartner oft im Titel – ein Maklerbüro, eine Hausverwaltung, eine Projektgesellschaft. Prüfen Sie ihn wie einen Arbeitgeber, denn er ist einer. Wie groß ist das Haus, wie viele Objekte verwaltet es, gibt es dort überhaupt jemanden, der Sie anleiten kann?

Ein Fünf-Personen-Büro kann ein hervorragender Praxispartner sein, weil man dort alles sieht. Es kann auch bedeuten, dass Sie drei Jahre lang Exposés bauen und Besichtigungen aufschließen. Die Frage, die das klärt: Wie sieht die Rotation aus, und wer außer der Geschäftsführung ist für mich zuständig?

Was der Abschluss auf dem Arbeitsmarkt wiegt

Ein Bachelor Immobilienwirtschaft öffnet Türen, die der IHK-Abschluss allein nicht öffnet – Asset Management, Projektentwicklung, Transaktion, Research, und die Trainee-Programme der großen Bestandshalter und Dienstleister. Diese Häuser schreiben einen Hochschulabschluss in die Anzeige, und sie meinen es.

Umgekehrt gilt für die operative Verwaltung, für die Objektbetreuung und für die Vermietung: Dort zählt, wer eine Abrechnung erstellen und eine Versammlung leiten kann. Ein Bachelor ohne diese Praxis ist dort kein Vorsprung. Und die Gleichstellung mit der Prüfung zum zertifizierten Verwalter hängt am immobilienwirtschaftlichen Schwerpunkt des Studiums, nicht am Wort „dual" – siehe Zertifizierter Verwalter.

Die Anzeige lesen

Duale Studienanzeigen folgen einem eigenen Muster, das man nach zehn Stück erkennt. Achten Sie auf:

  • „Am virtuellen Campus" – das Studium findet online statt. Für manche ideal, für andere der Grund, nach dem dritten Semester abzubrechen.
  • Ein Starttermin, der weit in der Zukunft liegt. Anzeigen für das übernächste Jahr sind in diesem Feld normal und kein Fehler.
  • Kein Name des Praxispartners. Dann ist er noch nicht gefunden. Fragen Sie, wer die Auswahl trifft und was passiert, wenn sich keiner findet.
  • „Vergütung nach Vereinbarung" bei einer Hochschulanzeige. Der Betrag wird mit dem Praxispartner verhandelt, nicht mit der Hochschule.

Wie man Anzeigen dieser Branche insgesamt entschlüsselt, steht in Stellenanzeigen der Immobilienwirtschaft lesen.

Die ehrliche Gegenrechnung

Die Ausbildung zum Immobilienkaufmann dauert drei Jahre, kostet nichts, bringt vom ersten Monat an Geld und endet mit einem bundesweit geregelten Abschluss, der in der Verwaltung sofort zählt. Das duale Studium dauert dreieinhalb, kostet je nach Modell einen mittleren fünfstelligen Betrag und endet mit einem akademischen Grad, der in den Häusern zählt, die akademische Grade verlangen.

Wer heute achtzehn ist und weiß, dass er in die Bestandsverwaltung will, fährt mit der Ausbildung fast immer besser. Wer Transaktion, Entwicklung oder Konzern will, mit dem Studium. Wer es nicht weiß, sollte das ausbildungsintegrierte Modell suchen – es ist das teuerste an Lebenszeit und das einzige, das beide Wege offenlässt.

Offene Plätze stehen unter Duales Studium.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, gegliedert nach der Aufgabe am Objekt und mit Angaben zu Arbeitszeit und Anstellungsart an jeder einzelnen.

Weiterlesen

Alle Artikel

Diese Seite verwendet nur die Cookies, die für den Betrieb nötig sind. Kein Tracking, keine Werbenetzwerke, keine Auswertung Ihres Verhaltens. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung.

Datenschutz