Selbstständiger Immobilienberater
Beratung rund um Kauf, Verkauf und Vermietung auf eigene Rechnung – meist als Handelsvertreter nach § 84 HGB oder in freier Mitarbeit für ein Vertriebshaus. Das Einkommen entsteht erst mit dem Abschluss und fließt Monate später.
15 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Selbstständiger Immobilienberater verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 1.300 € | 2.500 € | 3.900 € | 30.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 1.800 € | 3.500 € | 6.800 € | 42.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 2.400 € | 4.550 € | 10.500 € | 54.600 € |
Auch hier sind die Zahlen kein Gehalt, sondern ein Provisionsertrag vor Betriebsausgaben und ohne Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Büro, Fahrzeug, Marketing, Haftpflicht, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Steuervorauszahlungen sind noch nicht abgezogen; wer einen solchen Wert neben ein Bruttogehalt legt, vergleicht falsch. Die Spanne ist bewusst weit gehalten, weil das Einkommen in diesem Modell ungleichmäßig anfällt: Auf Monate ohne Zufluss folgen einzelne Abrechnungen, die ein halbes Jahr tragen – und im ersten Jahr überwiegen die ersten.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein selbstständiger Immobilienberater?
Die Arbeit ist die des angestellten Beraters: Eigentümer und Interessenten begleiten, Unterlagen prüfen, Werte einschätzen, besichtigen, zwischen Preisvorstellung und Budget vermitteln, den Notartermin vorbereiten. Verkauft wird oft aus dem Bestand eines Vertriebshauses – Neubauprojekte, Kapitalanlagewohnungen, Bestandsobjekte einer Kooperation. Getragen wird das Ganze jedoch von einer eigenen Rechnung: kein Fixum, keine Entgeltfortzahlung, keine bezahlte Einarbeitung, und jede Beratung, die nicht zum Abschluss führt, ist unbezahlte Arbeit. Und niemand gleicht eine Krankheitswoche aus: Sie kostet in diesem Modell nicht nur den Verdienst, sondern auch die Termine, die in dieser Woche nicht stattgefunden haben.
Der Unterschied zum selbstständigen Makler liegt in der Herkunft der Objekte. Wer für ein Vertriebshaus berät, muss nicht akquirieren, ist dafür aber an dessen Produkt gebunden – und wenn die Pipeline leer ist oder ein Bauvorhaben stockt, fällt die Verdienstgrundlage weg, ohne dass eigenes Zutun daran etwas ändert.
Welcher Vertrag dahintersteckt
In aller Regel eine Handelsvertretung nach § 84 HGB oder ein Vertrag über freie Mitarbeit. Die Handelsvertretung ist die günstigere Form: Sie gibt Anspruch auf Provisionsabrechnung und Buchauszug und unter Voraussetzungen einen Ausgleichsanspruch bei Vertragsende. Die freie Mitarbeit auf Dienst- oder Werkvertrag bietet das nicht. Wer faktisch wie ein Angestellter eingebunden ist – feste Anwesenheit, Weisungen zur Durchführung, Teilnahmepflicht an Besprechungen, ein einziger Auftraggeber –, sollte das Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung kennen. Über den gesamten Bestand dieses Portals hinweg tragen 95 von 1.432 Anzeigen einen Vertrag ohne Anstellung, 6,6 Prozent. Das ist wenig – aber diese wenigen Fälle sitzen fast vollständig in der Vermittlung, und Berater- und Maklerangebote machen den Löwenanteil aus.
Wie wird man selbstständiger Immobilienberater?
Mit Gewerbeanmeldung und, weil die Vermittlung erlaubnispflichtig ist, mit der Erlaubnis nach § 34c Abs. 1 Nr. 1 GewO – es sei denn, die Tätigkeit läuft ausschließlich im Namen und unter der Erlaubnis des Auftraggebers; diese Abgrenzung gehört vor der Unterschrift geklärt. Dazu die Weiterbildungspflicht von zwanzig Stunden in drei Jahren nach § 34c Abs. 2a GewO, eine Vermögensschadenhaftpflicht und die Pflichten aus dem Geldwäschegesetz. Wer Finanzierungen oder Kapitalanlagen mitvermittelt, braucht dafür zusätzliche Erlaubnisse nach § 34i oder § 34f GewO.
Was der Beruf verlangt
Vor allem eine ehrliche Rechnung. Der Provisionsanteil ist deutlich höher als in der Anstellung, doch gegenzurechnen sind Kranken- und Pflegeversicherung als Selbstzahler, Altersvorsorge ohne Arbeitgeberanteil, Steuervorauszahlungen, Haftpflicht, Fahrzeug, Telefon und Marketing – dazu die Monate ohne Zufluss. Zwischen Beratung, Beurkundung und Provisionszahlung liegen in der Immobilienvermittlung regelmäßig Monate. Bei geteilter Provision nach § 656d BGB wird der zweite Anteil zudem erst fällig, wenn der erste nachweislich gezahlt ist, was den Zufluss weiter nach hinten schiebt.
Hinzu kommt ein Interessenkonflikt, der in diesem Modell schärfer ist als in der Anstellung: Wer nur am Abschluss verdient, hat einen Anreiz, zum Abschluss zu raten. Dagegen hilft nur, die Grenze selbst zu ziehen und ein Objekt auch dann abzuraten, wenn es das Monatseinkommen gewesen wäre. Die Beratung, die sich langfristig trägt, lebt von Empfehlungen – und Empfehlungen entstehen aus Absagen so oft wie aus Abschlüssen.
Aufgaben
- Interessenten zu Objekten aus dem Bestand des Auftraggebers beraten
- Objektunterlagen prüfen und Angaben zu Fläche, Zustand und Energie gegenprüfen
- Wirtschaftlichkeit für Kapitalanleger durchrechnen: Miete, Rücklage, Steuer, Finanzierungsrate
- Besichtigungen und Folgetermine eigenständig organisieren
- Finanzierungsfähigkeit klären und die Bestätigung vor der Reservierung einholen
- Notartermin begleiten und die Provisionsabrechnung gegenüber dem Auftraggeber nachhalten
- Eigene Buchhaltung, Steuervorauszahlungen und Versicherungen verwalten
- Liquidität über Monate ohne Abschluss planen
Voraussetzungen
- Gewerbeanmeldung und geklärte Erlaubnislage nach § 34c GewO
- Beratungserfahrung aus Immobilien, Bank, Versicherung oder Finanzvertrieb
- Sicherheit in Finanzierungsrechnung und Erwerbsnebenkosten
- Rücklagen für mindestens sechs Monate ohne nennenswerten Zufluss
- Vermögensschadenhaftpflicht sowie eigene Kranken-, Pflege- und Altersvorsorge
- Weiterbildung von zwanzig Stunden in drei Jahren nach § 34c Abs. 2a GewO
- Die Bereitschaft, von einem Abschluss abzuraten, der nicht passt
Wo man arbeitet
- Homeoffice oder eigenes kleines Büro
- Vertriebsorganisationen für Neubau- und Kapitalanlageobjekte
- Lizenz- und Kooperationspartnerschaften von Maklerhäusern
- Musterwohnungen und Vertriebsbüros an Bauvorhaben
- Unterwegs bei Interessenten, Objekten und Notariaten
Der Weg in den Beruf
Einen vorgeschriebenen Weg gibt es nicht; erwartet wird Beratungserfahrung, häufig aus Bank, Versicherung oder Finanzvertrieb, und ein Netzwerk, das Gespräche liefert. Viele Angebote sprechen Quereinsteiger an und stellen Einarbeitung und Produktschulung in Aussicht – beides ersetzt aber weder Rücklagen noch Marktkenntnis. Wer den Beruf zum ersten Mal lernt, fährt mit zwei bis drei Jahren in einer Anstellung besser und entscheidet danach über den Wechsel in die eigene Rechnung.
Offene Stellen als Selbstständiger Immobilienberater
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