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Bewerbung

Das Anschreiben: eine Seite, vier Absätze, keine Floskeln

In einer Branche, die jeden Vorgang dokumentiert, ist das Anschreiben die erste Arbeitsprobe. Wie man es aufbaut, welche vier Angaben hineingehören und welcher Satz am häufigsten die Bewerbung kostet.

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Das Anschreiben ist in dieser Branche kein Ritual. Es ist die erste Arbeitsprobe, und zwar für genau die Fähigkeit, die im Beruf jeden Tag gebraucht wird: einen Sachverhalt so aufzuschreiben, dass ein Fremder ihn ohne Rückfrage versteht.

Wer eine Mängelanzeige, eine Beschlussvorlage oder einen Monatsbericht schreiben soll, wird an dieser Seite gemessen – meistens unbewusst, aber zuverlässig.

Eine Seite, und zwar wirklich

Nicht anderthalb. Eine. Wer nicht auf eine Seite kommt, hat noch nicht entschieden, was wichtig ist – was in einem Beruf, der aus Priorisierung besteht, eine Aussage ist.

Die Struktur, die trägt:

Erster Absatz: der Anlass und die Position. Ohne Anlauf. Welche Stelle, woher, und in einem Satz, warum Sie in Frage kommen.

Zweiter Absatz: was Sie können, mit Zahlen. Der wichtigste Absatz.

Dritter Absatz: warum dieses Haus. Etwas, das nur auf diesen Arbeitgeber zutrifft.

Vierter Absatz: das Formale. Verfügbarkeit, Gehaltsvorstellung, wenn danach gefragt wurde, ein Satz zum Abschluss.

Der zweite Absatz entscheidet

Die Immobilienwirtschaft misst Erfahrung in Einheiten, Quadratmetern, Objekten und Budgets. Genau diese Zahlen gehören hierher, und ihr Fehlen ist der häufigste Grund, warum eine fachlich passende Bewerbung nicht weiterkommt.

Statt „Ich verfüge über umfangreiche Erfahrung in der Immobilienverwaltung":

Zuletzt habe ich 480 Wohneinheiten in 14 Eigentümergemeinschaften eigenverantwortlich betreut, davon 22 Versammlungen im Jahr selbst geleitet und die Jahresabrechnungen erstellt.

Statt „Ich bin technisch versiert":

Ich betreue drei Bürogebäude mit zusammen 38.000 Quadratmetern, bin Elektrofachkraft mit Schaltberechtigung bis 30 kV und verantworte die Prüffristen für Brandmelde- und Sicherheitsbeleuchtungsanlagen.

Statt „Ich arbeite kundenorientiert":

Im Kundenservice eines Bestandshalters habe ich täglich rund 40 Mietanliegen bearbeitet, mit einer Erstlösungsquote von 70 Prozent.

Wer aus einer anderen Branche kommt, macht dasselbe mit den Zahlen seines bisherigen Felds und übersetzt sie. Die Wege dafür stehen in Quereinstieg in die Immobilienwirtschaft.

Der dritte Absatz ist der, den fast alle auslassen

„Ihr Unternehmen ist mir als attraktiver Arbeitgeber bekannt" ist keine Begründung, sondern ein Platzhalter. Es gibt in dieser Branche genug Anhaltspunkte, die man in zehn Minuten findet:

  • die Art des Bestands – kommunal, genossenschaftlich, privat, institutionell
  • die Größe: Einheiten, Objekte, Quadratmeter, Standorte
  • ein Neubau, eine Quartiersentwicklung, eine Sanierung, über die berichtet wurde
  • die Assetklasse und die Frage, ob sie zu Ihrer Erfahrung passt
  • die Tatsache, dass das Haus tarifgebunden ist oder selbst ausbildet

Ein Satz genügt: „Dass Sie den Bestand selbst bewirtschaften statt fremdzuvergeben, ist für mich der Grund, mich gerade bei Ihnen zu bewerben – ich möchte Objekte über Jahre begleiten und nicht Mandate wechseln."

Damit haben Sie etwas gesagt, das nicht in hundert anderen Anschreiben steht.

Die Sätze, die schaden

„Schon immer habe ich mich für Immobilien interessiert." Der häufigste Einstieg und der schlechteste. Er klingt nach Privatinteresse an Wohnungen und nicht nach Interesse an Betriebskostenabrechnungen.

„Ich suche eine neue Herausforderung." Sagt über Sie nichts und über die Stelle nichts.

„Auch wenn ich die geforderte Ausbildung nicht habe..." Entschuldigen Sie sich nicht. Nennen Sie, was Sie stattdessen mitbringen.

„Ich bin teamfähig, belastbar und motiviert." Drei Eigenschaften, die jeder behauptet und niemand belegt. Wenn Belastbarkeit zählt, schreiben Sie, wie viele Abendtermine Sie in der Versammlungssaison geführt haben.

„Sehr geehrte Damen und Herren", wenn in der Anzeige ein Name steht. In kleinen und mittleren Verwaltungen liest die Person, die dort genannt ist, das Anschreiben tatsächlich selbst.

Die Gehaltsvorstellung

Nennen Sie sie, wenn danach gefragt wurde, und lassen Sie sie weg, wenn nicht. Eine Spanne wird zum unteren Wert; nennen Sie deshalb einen Betrag als Jahresbruttogehalt und schreiben Sie dazu, worauf er sich bezieht: „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 52.000 Euro brutto im Jahr bei einer 40-Stunden-Woche." Wie man zu dieser Zahl kommt, steht in Gehalt verhandeln.

Form: die Kleinigkeiten, die auffallen

In einem Beruf, in dem Fristen und Formalien zählen, wird Formales gelesen.

  • Eine PDF-Datei, nicht fünf. Benannt mit Ihrem Namen und der Position.
  • Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse in dieser Reihenfolge; zum Lebenslauf siehe Der Lebenslauf.
  • Der vollständige Firmenname einschließlich Rechtsform. Wer die GmbH & Co. KG falsch schreibt, wird bei der Mieterkorrespondenz auch nicht genauer sein.
  • Keine Rechtschreibfehler. Lesen Sie den Text laut. Das findet mehr als jede Prüffunktion.
  • Kein Datum aus der letzten Bewerbung. Passiert häufiger, als man denkt, und ist tödlich.

Wenn Sie initiativ schreiben

Verwaltungen und Dienstleister stellen häufig ein, ohne ausgeschrieben zu haben – besonders im technischen Bereich, wo der Markt leer ist. Eine Initiativbewerbung funktioniert hier besser als in fast jeder anderen Branche, unter zwei Bedingungen: Sie ist an eine Person gerichtet, und sie nennt konkret, welche Aufgabe Sie übernehmen würden.

Rufen Sie vorher an. Ein Zweiminutengespräch mit der Person, die die Stelle besetzt, ersetzt drei Absätze und sorgt dafür, dass die Mail erwartet wird.

Das Anschreiben für Ausbildung und duales Studium

Wer sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt, hat keine Zahlen – und soll sie nicht erfinden. Hier zählt anderes: ein Praktikum, ein Nebenjob mit Kundenkontakt, die Fächer, die passen, und vor allem ein begründeter Satz dazu, warum dieser Betrieb. Wer geschrieben hat, dass er weiß, was eine Eigentümerversammlung ist und dass sie abends stattfindet, hebt sich von neunzig Prozent des Stapels ab. Was in der Ausbildung passiert, steht in Die Ausbildung zum Immobilienkaufmann.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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